Die EKD, Weihnachten, Frieden im Nahen Osten

Die Evangelische Kirche in Deutschland sehnt sich, wieder einmal, nach Frieden im Nahen Osten. Schliesslich ist bald Weihnachten. Da will man doch kuschelig unter der Tanne sitzen und sinnfreie Weihnachtslieder grölen. Wenn der schnulzige Teil vorbei ist, kommt dann die Kiste mit Weihnachtsgeschenken an die Reihe und schliesslich der Braten. Das alles am besten im Familienverband. Endlich trifft man Leute, die man lieber gar nicht sehen will. Aber immer schön nett sein. Es ist ja schliesslich Weihnachten. Deshalb geht man zum Abschluss der Heuchelei mal wieder in die Kirche. Vorher sollte man sich allerdings auf der Internetseite daran erinnern lassen, wo der heilige Tempel, nun geschmückt mit einer süssen Krippe und einem Kind im Stroh, noch zu finden ist. Wer war noch mal das Kind im Stroh ? Wie hiess „es“ doch gleich ? Ist ja auch nicht so wichtig.

Viel wichtiger ist, das Frieden im Nahen Osten herrscht. Es ist doch schliesslich Weihnachten. Zur Feier der Tage kann Israel doch mal ein paar Raketen vertragen, oder ?

Die Evangelische Kirche in Deutschland, genauer gesagt: deren Friedensheulsuse, ist immerhin unparteiisch. Wenigstens, wenn man mit „unparteiisch“, die Worte der EKD-Friedensheulsuse bewerten soll.

Die Hamas und die Hisbollah sollen „endlich“ das Existenzrecht Israels anerkennen. Klar, darauf kann sich Israel verlassen, wenn die EKD das fordert. Schliesslich ist morgen Weihnachten, Osten und Freitag der 13.

Israel soll den Siedlungsbau einstellen. Klar, der palästinensische Terror und der Bau von Wohnungen für jüdische Olim, im eigenen Land, sind absolut vergleichbar. Mit dem Bau von Wohnungen will Israel schliesslich die Palästinenser zurück nach Allah schicken. Interessant nur, dass so viele christliche (!) Araber nach Israel flüchten, um dem islamistischen Glaubensterror der Palästinenser zu entgehen. Aber für solche Kleinigkeiten hat die Friedensheulsuse der EKD keinen Blick. Viel lieber propagiert die Friedensheulsuse, im Chor mit Margot Kässmann, das schöne Weihnachtslied „Kauft nicht beim Juden“.

Christen, verzichtet auf (Amts)Kirchen !

Ein köstlicher Beitrag. Und leider ganz nah an der Realität. Aber wen interessiert eigentlich, was die Evangelische (Amts)Kirche in Deutschland, zu Jaffa Orangen meint, sagen zu müssen. Den tieferen Sinn der Geschichte haben immerhin schon ganz viele Menschen erkannt und in die Tat umgesetzt: „Christen, verzichtet auf die Evangelische (Amts)Kirche in Deutschland. Und auf die Katholische (Amts)Kirche in Deutschland gleich mit !“

Heidelberger Katechismus

Judentum und Christentum haben gemeinsame Wurzeln. Judentum und Christentum schliessen sich nicht aus. Ich bin ein eifriger Leser von Schriftgut beider Religionen.

Es gibt da den Heidelberger Katechismus. Ein höchst imposantes und sprachgewaltiges Werk. Obwohl der Heidelberger Katechismus, schon 1563 entstanden ist, sind die Worte hochaktuell. Zusammengefasst erklärt der Heidelberger Katechismus in 129 Fragen (und Antworten) die Grundlagen des christlichen Glaubens aus reformatorischer Sicht. In gewisser Hinsicht hat der Heidelberger Katechismus eine Ähnlichkeit mit dem Kizzur Schulchan Aruch. Dies ist eine kurze (!) Erklärung der Halacha, dem jüdischen Gesetz.

Die erste Frage des Heidelberger Katechismus lautet:

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“

Antwort: „Dass ich mit Leib und Seele

Im Leben und im Sterben nicht mir,

sondern meinem getreuen Heiland

Jesus Christus gehöre….

Das war die moderne Fassung für den heutigen Sprachgebrauch.

Ich bin aber ein Liebhaber sehr alter Texte. Schon alleine die Sprache fasziniert mich.

Die ältere Fassung lautet:

Frage: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben ?

Antwort: Dass ich mit Leib und Seele,beides, im Leben und im Sterben,

nicht mein, sondern meines getreuen Heilands,

Jesu Christi, eigen bin …

Die zweite, ältere, Fassung spricht mich viel intensiver an. Was ich besonders wichtig finde, ist das Wort „beide“. Ich bin mich mit „Leib und Seele“ (2), im „Leben und im Sterben“ (2) darauf verlassen nie tiefer als in G“ttes Hand zu fallen. Weil ich nicht mir selbst gehöre, sondern als Kind G“ttes „Eigentum“ G“ttes bin und bleibe. Mit allen Konsequenzen.

Ich weiss das diese Vorstellung in unserer Gesellschaft, die durch Eigennutz und Konsum, auf Selbstverwirklichung und Inhaltslosigkeit, ausgerichtet ist, schwer erträglich ist. „Ich bin doch ich. Ein freier Mensch. Wer wagt zu Glauben, das ich ihm gehöre ?“ Aber welche Freiheit ist es die zur Klimakatastrophe, zu Ellenbogenmentalität, zu Süchten verschiedenster Art, zu inhaltsleeren Konsum, zu Leben ohne Sinn uns Inhalt, verführt ? Was ist das für eine Freiheit, die keine Zufriedenheit kennt ? Was ist das für eine Freiheit die „kleine Dinge“ verachtet und Menschen in Körper und Seele zerstört ? Stichwort: Burn-out. Wollen wir diese Freiheit wirklich ?

Ich habe mich gegen diesen Entwurf von Freiheit ausgesprochen. Wer einmal den süssen Honig des Freiseins in G“tt gekostet hat, will nicht mehr zurück. Weil ich mich G“tt anvertraut und „seines eigen“ bin kann ich in Freiheit leben. Ich brauche nichts anderes als ich selbst vor G“tt zu sein. Ich kann mit all meinen Gebeten und Zweifeln zu G“tt kommen. Das „eigen sein“ heisst auch geschützt und angenommen sein. Immer wieder, jeden Tag neu und gerade in Zeiten der Krise, ist es schön zu wissen das letztlich G“tt die Wege lenkt. Auch das Schwarze im Leben hat einen Sinn. Ich will nicht mehr bewerten. G“tt hat seine eigenen Gesetze.

Ich habe mich G“tt anvertraut. Im Leben und im Sterben. Was ich gefunden habe, ist ein riesiges Reich an Freiheit und Licht. Gerade im Dunkeln scheint das Licht der Freiheit umso heller und eindrucksvoller. Es liegt an uns diese Freiheit, dieses Licht, immer wieder anzunehmen und uns der Grösse und Liebe des Allmächtigen bewusst zu machen. Dann kann wahre Freiheit gelingen. Im Leben und im Sterben. Beides.

Zum Reformationstag: Luther und der Antisemitismus

Reformationstag

Heute ist Reformationstag. Ein schwieriges Datum. Luther und der Antijudaismus. Luther als Wegbereiter des Antisemitismus. Hätte es Auschwitz ohne die Theologie eines Martin Luther geben können?

Luther war ein Kind seiner Zeit. Das ist ihm zugestanden. Auf der anderen Seite war Luther intelligent genug, um über seine Zeit hinaus zu denken. In der Innenansicht des Protestantismus hat Luther nach innen geschaut und gewirkt. Einige Reformen, gerade auch in Sachen Demokratisierung von unten, gehen auf Martin Luther zurück. Stichwort: „Priestertum aller Getauften“. Das ist, gerade für die Zeit, in der Martin Luther lebte, ein mutiger Schritt, ein mutiges Motto.

Doch es gibt die andere Seite der Waage: Antijudaismus der noch heute in vielen protestantischen Gemeinden sichtbar, hörbar, fühlbar, ist. Es gilt, ganz in protestantischer Manier PRO-Test zu erheben. PRO für den Dialog zwischen Christentum und, PRO für den mutigen Umgang mit der eigenen (Kirchen) Geschichte. PRO für einen anderen Wind in den Gemeinden.

Es gibt auch in protestantischen Gemeinden Menschen und Kreise die zu 100 % auf der Seite Israels stehen. Daneben existiert aber auch die Hetze namens „Pax Christi“. Ich fürchte die zweite Gruppe ist grösser. Noch.

Also: Reformationstag? Hoffentlich ist dieser Tag wie ein kleiner Setzling. Der Setzling kann sterben. Der Setzling kann sich aber auch zu einem grossen Baum entwickeln der Freude und Schatten spendet.

Bibliolog ? Was ist das ?

Mit dem Begriff „Bibliolog“ konnte ich bisher gar nichts anfangen. Ich habe mich wirklich gefragt was ein Bibliolog sein soll. Meine Neugierde hat mich dazu bewogen eine Veranstaltung zu besuchen in der Bibliolog ganz praktisch durchgeführt wird.

Was ist nun Bibliolog?

Das Wort setzt sich zusammen aus Bibel und Dialog.

Es wird ein Abschnitt aus der Bibel vorgelesen. Stück für Stück. Dann wird überlegt, welche Person der Bibel, in diesem Teilstück angesprochen ist. Schliesslich werden die Anwesenden motiviert sich, in diese biblische Person, zu versetzen? Was denke ich?

Zum Beispiel in der Rolle von Avraham als dieser aufgefordert wird sein Land, seine Familie, alles Gewohnte, zu verlassen und „in ein Land zu gehen, das ich, G“tt, Dir zeigen werde“. Ein bekannter Text. Aber ich habe mich noch nie intensiv in die Rolle von Avraham begeben. Was würde ich an der Stelle von Avraham denken? Wie weit würde mein Glauben reichen? Wie stark wären meine Ängste und Zweifel? Wie stark wären meine Vermutungen und Gedanken? Was würde ich tun?

Würde ich sagen: „Aber ich bin doch schon so weit gegangen. Wovon soll ich leben in dem Land, das Du mir zeigen wirst? Auf dem Weg könnte etwas passieren. Ich kenne den Weg nicht. Woher weiss ich das Du bei mir sein wirst?“

Zweifel über Zweifel. Fragen über Fragen. Ich weiss nicht ob der Mut, die Gewissheit, der Glauben, mich tragen würden. Ich weiss nicht, ob das Vertrauen auf G“tt gross genug wäre. Ich weiss nicht ob Freude oder Angst überwiegen würden.

„Gehe in das Land, das ich, G“tt, Dir zeigen werde“. Ich weiss das der Weg lang und beschwerlich ist. Wie oft hätte ich zwischendurch aufgegeben? Da ist auch die ganz konkrete Frage: „Wie gross ist mein Vertrauen auf G“tt wirklich?“ Wie gross wäre mein Vertrauen auf der Stelle von Avraham, gewesen? Was ist eigentlich das Land, welches ich, G“tt, Dir zeigen werde ? Wir wissen, welches das Gelobte Land ist. Aber ist dieses Land wirklich gelobt und behütet? Die Realität in Israel sieht anders aus. Das Heilige Land ist einem Vernichtungskrieg der „Nachbarn“ ausgesetzt. Nicht erst seit 1948. Dafür aber ohne Unterbrechung.

„Das Land, das ich, G“tt, Dir zeigen werde“. Kein Idyll. Kein Land für Illusionen. Kein Land für Jubel. Kein Land das Schwächen zeigen darf.

Und doch löst G“tt sein Versprechen ein. Er führt Avraham. Und Avraham vertraut G“tt. Avraham hegt keine Zweifel.

Das Land Israel besteht heute, im Jahr 2010, immer noch. Das Land Israel, im Jahr 2010, ist ein blühendes Land. Ein demokratisches Gemeinwesen. Vor allem aber ist das Land Israel, im Jahre 2010, ein Wunder. Ein Wunder ist, das dieses Land noch immer besteht. Wunder geschehen eben doch. Immer wieder. In unserer Zeit.

„Gehe in das Land, das ich, G“tt, Dir zeigen werde“. Klingt das nicht wie eine Verheissung ? Lockt nicht der Ruf der Freiheit?

Wir tragen dieses Land, unser Gelobtes Land, aber auch in unserem Herzen. Gerade in unserem Herzen. Das Land sieht für jeden Menschen verschieden aus. Das Land in unserem Herzen kann unsere Seele sein. Vielleicht auch unsere Erinnerungen.

Ich vergleiche mich nicht mit Avraham. Das wäre vermessen. Aber ich habe gelernt, den Weg auf G“ttes Strasse zu gehen. Auch wenn es immer wieder Irrwege und Abwege gibt. G“tt gibt keines seiner Kinder verloren. Gibt es eine grössere Gewissheit, ein grösseres Glück? Ich gehe in Vertrauen auf G“tt meiner Wege. Wovor soll ich Angst haben?

Was wird Avraham gedacht haben im Moment des Aufbruches ? Hatte er Angst oder ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens?