Rabbiner Apel verlässt Dortmund

Irgendwie ist es eine traurige Nachricht.

Rabbiner Apel, der nicht „nur“ in seiner Gemeinde geachtete Rabbiner, verlässt Dortmund.

Ich selbst durfte Rabbiner Apel persönlich kennenlernen. Und ich kann sagen, das Avichai Apel seinem Gegenüber, vom ersten Moment an, das Gefühl gibt, willkommen und wertgeschätzt zu sein. Auch Schiurim habe ich in guter Erinnerung. In relativ kurzer Zeit schaffte es Rabbiner Apel viel Wissen zu vermitteln und eine offene, an keine Konventionen gebundene, Diskussion zuzulassen. Rabbiner Apel war liberal im besten Sinne des Wortes. Das heisst nicht, dass er keine klaren Standpunkte vertreten hätte. Aber er stellte seine Standpunkte eben zur Diskussion, ohne Scheuklappen.

Nun wird Rabbiner Apel also das Rabbinat in Frankfurt am Main verstärken. Das ist sicherlich ein riesiger Gewinn für diese Gemeinde.

Rabbiner Apel wünsche ich viel Kraft und positive Energie bei seiner neuen Aufgabe.

Braucht der Glaube Institutionen ?

EKD Studie   Deutsche verlieren ihren Glauben an Gott   Nachrichten Politik   Deutschland   DIE WELT

Ein Leben ohne Gott könnte ich mir nicht vorstellen.

Ja, ich glaube an Gott.

Ja, Gott ist, in vielen Phasen, der letzte Halt.

Aber ich verbinde Gott nicht mit Religionsgemeinschaften. Gerade bei dem was die beiden Amtskirchen in Deutschland tun, stehen Gott vermutlich die Haare zu Berge.

Da gibt es Pfarrer, die den Titel nur noch zum Schein tragen. Denn sie sind völlig überlastet. Seelsorge, die Sorge um die seelische Verfassung der Glaubenden, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle in den Kirchen. Finanzen, der Bau neuer Gemeindepaläste, die Eitelkeiten so mancher Würdenträger, sind wichtiger geworden. Das aber hat nichts mehr mit Religion zu tun.

Kirche in unserer Zeit zeichnet sich auch durch eine Engstirnigkeit und ein kurzfristiges Denken aus, das Rabbiner Jesus die Zornesröte ins Gesicht getrieben hätte.

Ist es ein Wunder das die Menschen mit solchen Religionsgemeinschaften nichts mehr anfangen können ?

Ja, es gibt auch die positiven Menschen, die positiven Beispiele. Aber Kreativität wird, viel zu oft, in den starrsinnigen Mühlen eines völlig veralteten Kirchenrechtes erstickt. Das gilt für beide Amtskirchen.

Ökologische Weitsicht muss, viel zu oft, dem selbst gemachten Druck knapper Finanzen weichen. Weitsicht, gerade im Sinne der Bewahrung der Schöpfung, ist eher selten anzutreffen.

Das kirchliche Arbeitsrecht ist eine einzige Katastrophe. Da spielt nicht die Qualifikation künftiger Arbeitnehmer(innen) eine Rolle, sondern die Konfession. Gerade kirchliches Arbeitsrecht strotzt vor Vetternwirtschaft. Und kirchliche Arbeitnehmer werden ausgebeutet, denn sie dürfen nicht streiken. Der verlogene dritte Weg ist nur ein Mittel zur Ausbeutung. Die Kirchenoberen wissen das und tun alles um ihre Pfründe, auch in diesem Bereich, zu behalten.

Die Demokratie im Kirchenleben wird auch durch Gemeindeversammlungen, die kaum jemanden interessieren, nicht wiederbelebt. Der Patient ist infaust.

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Wundert es wirklich das die Kirchen leer sind ? Wundert es wirklich, das es kaum noch geeigneten Nachwuchs für Kirchenämter gibt ?

Nein, das langsame Verschwinden der Kirchen ist keine Tragödie. Denn diese Kirchen sind eine Verhöhnung des Namens Gottes.

Glauben lebt sich, das ist meine Meinung, authentischer und ehrlicher abseits der Institutionen.

Ja, ich glaube an Gott. Dazu brauche ich keine Gemeinden und auch kein Gebetbuch, keine Gottesdienste. Es wird selten so viel geheuchelt wie in Gottesdiensten und danach. So mancher frommer Kirchgänger sollte sich schämen in Anbetracht seines Lebens.

Christ

Glauben, das ist meine feste Überzeugung, sollte „von innen heraus“, aus der Seele des Menschen, im Dienst für die Schöpfung und die Mitmenschen, gelebt werden. Dann ist der Glaube auch glaubwürdig.

Segenslieder

Segenslieder. Lieder, die segnen. Der Segen als Bestandteil des Gottesdienstes. Das schwierige Zitat von der „Priesterschaft aller Getauften“. Es stammt von Martin Luther. Ich kann die Hype um Martin Luther leider nicht teilen. Zu sehr ist Martin Luther in den Antijudaismus seiner Zeit verstrickt. Zu sehr hat Martin Luther die Gedankenwelt der Antisemiten bestimmt. Zu sehr nehmen Antisemiten noch heute Bezug auf die Zitate von Martin Luther. Die Parallele zu Wagner. Schwieriger, steiniger, Boden. Da kann man sich abarbeiten. Aber man kann auch sein Profil schärfen.

Die „Priesterschaft aller Getauften“? Was ist mit den Nicht-Getauften? Verläuft hier noch immer eine Grenze? Sind Menschen, die nicht getauft sind, schlechtere Menschen? Was ist mit Menschen anderer (oder gar keiner) Konfession? Warum zieht Luther diese Grenze?

Und doch ist das Segnen eine wunderbare Sache. In „meiner“ Gemeinde ist das Segnen nicht „nur“ die Aufgabe der Pastorin. Wir alle sind aufgerufen zu segnen. Bei der grossen Zahl unserer Kirchenbesucher geht das auch nicht anders.

Rosenkranz

Rosenkranz. Beten. Eine dunkle Kirche. Eine kühle Kirche. Ein Kontrast zur Helligkeit und Wärme der Sonne.

Was erwarte ich? Ehrlich gesagt weiss ich nicht genau, was ich erwarte. Ich kann und darf mich auf das Gebet, auf die Atmosphäre, einlassen.

Ich bin früher da. Erst mal ankommen. Erst mal die Gedanken sammeln. Eine vertraute Übung. Mit einem Kopf voller Gedanken kann ich schwer beten. Also erst einmal die Gedanken in die zweite Reihe schicken und mich auf das Gebet, auf die Stille, auf die Kerzen, auf die Menschen, einlassen. Das gelingt sehr gut. Und doch ist das keine Verdrängung, sondern totale Konzentration. Ich bin ganz angekommen. Ganz „da“ im Raum und im Gebet.

Schliesslich das Gebet. Der Rosenkranz besteht aus (scheinbar) unendlichen Wiederholungen. Aber gerade diese Wiederholungen machen das Gebet aus. Wiederholung nicht im Sinne von Abstumpfen, herunterleiern. Wiederholung als Mittel zur Konzentration.

Als ich die Kirche verlasse, brauche ich erst einmal Zeit um mich im Hier und jetzt einzufinden. Es war eine gute Zeit. Meine Seele kommt erleichtert aus dieser Zeit. Kann man von einem Gebet mehr erwarten?

Rabbi Elyashiv sel. A.

Rabbi Elyashiv, einer der Giganten des Judentums unserer Zeit, ist gestern in Jerusalem verstorben. Der Rebbe wurde 102 Jahre alt. Zu seiner Beerdigung kamen viele Tausend Menschen.

Der Trauerzug bewegte sich von der Wohnung des Rabbiners in der Hanan Street (Mea Shearim) nach Shivtei Yisrael, Smuel Hanavi, Nar Ilan, Yirmiyahu, Weizmann und zur Saharov Kreuzung, weiter zum Har Hamenuchot Friedhof. Dort liegt die Frau von Rabbi Elyashiv begraben.

Das Wirken von Rabbi Elyashiv in Worte zu fassen ist kaum möglich. Zu vielfältig war seine Persönlichkeit, zu herausragend seine Gelehrsamkeit, zu umfassend sein geistiger Nachlass.

Rabbi Elyashiv wird nicht vergessen werden.

Der Rabbi wird in den Seelen seiner Schüler, überall auf der Welt, weiterleben.

Taizè Gottesdienst

Immer wieder freue ich mich über Taize Gottesdienste. Diese wunderbaren Gesänge. Die Stille zwischen den Gebeten. Die kurzen Gebetstexte. Es ist kaum zu beschreiben. Wer nicht selbst einen Taize Gottesdienst erlebt hat, kann kaum nachvollziehen, welche Atmosphäre da herrscht. Es gibt Dinge, die man selber erleben muss. Immer und immer wieder. Wiederholung als Geschenk.

Trauerfeier

Heute war ich bei einer Trauerfeier. Ein befreundeter Pastor, den ich schon seit Jahren kenne, ist zusammen mit einem seiner Kinder tödlich verunglückt. Zurück bleiben die Ehefrau und drei weitere Kinder. Die Kirche war völlig überfüllt. Der Pastor sehr beliebt. Wie schnell kann das Leben zu Ende gehen. Der Pastor war am Abend vor seinem Tod noch bei einer geselligen Veranstaltung in der Kirche. Gut gelaunt und aufgeräumt wie immer. Ein paar Stunden später, am nächsten Tag ist er tot. In der Kirche heute war die Trauer, die Fassungslosigkeit, zu spüren. Warum nur? Warum? Solche schrecklichen Ereignisse machen mir klar, wie wichtig es ist, seine Zeit positiv zu nutzen. Der Tod ist immer auch im Leben und das Leben ist immer auch im Tod. Die Trauerfeier versuchte dem sinnlosen Sterben ein Stück Sinn, ein Stück Würde abzugewinnen. Und doch weinte ich, gemeinsam mit vielen anderen angesichts der Tragödie. Das ist so eine Situation, in der ich an Gott zweifle, in der ich mich frage, warum Gott das zulässt. Warum lässt Gott Tod und Trauer, Leid und Verzweiflung, zu? Theodizee. Ganz praktisch. Ein schwieriges Thema. Ein Thema, das Christen an den Rand der eigenen Theologie, des eigenen Glaubens, bringen kann. Warum nur? Und doch scheint auch in dieser Situation ein helles Licht. Der Tod ist nicht sinnlos. Der Tod ist ein Übergang in ein anderes, besseres, Leben. Und doch ist es so schwer zu akzeptieren, das Gott einen Menschen von uns genommen hat. Einen Menschen, der nun in einer besseren Welt lebt. Und doch fehlt dieser Mensch. Trauer und Schmerz. Aber auch göttliche Wärme und göttliches Licht.