Grenzorte: Bänke

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Sei demütig!

Rühme dich auf dieser Welt,
Mensch, nicht deines eignen Lichts!
Sonnen sind ob dich gestellt,
Gegen die dein Schein ein Nichts.

Kannst hier hoffen, glauben nur,
Bitten, doch erzwingen nicht,
Nicht verändert’s die Natur,
Wenn ein Menschenherz zerbricht.

Hoffe, daß durch Todesnacht
Gott dich führt in Sonnen ein –
Was er immer mit dir macht,
Du bist dein nicht, du bist sein.

Sei demütig wie das Blatt,
Das im Herbst vom Baume geht,
Und das nie geklaget hat,
Daß es der Sturm verweht.

Justinus Kerner (1786 – 1862), deutscher Arzt, Dichter der schwäbischen Romantik und Romanautor

GrenzOrte: Sderot – Albtraum und Kraft

Es gibt wohl keine Stadt im Süden Israels, die so intensiv unter dem palästinensischen Beschuss, aus dem Gazastreifen, leidet wie Sderot. Diese kleine Stadt spürt als Erstes, wenn sich der palästinensische Raketenterror wieder zu Wort meldet. Sderot. Von hier aus bietet sich ein Blick auf den Gazastreifen. Wie ruhig, wie wunderschön, die Landschaft ist. In Zeiten der Ruhe ein Idyll. Aber aus der Idylle kann innerhalb von Minuten ein Albtraum werden. Sderot ist, in gewisser Weise, eine traumatisierte Stadt. Der schnelle Weg zum Bunker ist in Fleisch und Blut übergegangen. Da werden Geschichten geschrieben, die so nur in einem solchen Gebiet geschrieben werden können. Geschichten, die nur in einer solchen Stadt erlebt werden können. Geschichten der Wut. Geschichten der Trauer. Aber auch Geschichten des Zusammenhaltens und der Solidarität. Sderot hat eine Universität, das Sderot College, zu bieten. Ich bin diesem College seit Jahren eng verbunden. Hier findet, mitten in der Bedrohung, Unterricht statt. Unterricht, auch im Bunker. Man muss versuchen, dem Wahnsinn ein Stück Normalität entgegenzusetzen. Auch wenn das unendlich schwierig ist. Sderot. Eine traumatisierte Stadt. Sderot. Eine Stadt, die dem Terror und der Verzweiflung Widerstand leistet. Kaum jemand geht weg von hier. Diesen Sieg soll der palästinensische Terrorismus nicht erringen. Sderot. Ein Stück Hoffnung. Auch in diesen verfluchten Zeiten.

GrenzOrte: Tiberias, Central Bus Station

Wer alleine in Israel unterwegs ist, hat einen Vorteil: Er kann seinen Reiseplan selbst basteln und ist flexibel. Flexibel vor allem, wenn es darum geht, Freunde zu treffen.

Meine Erfahrung sagt mir, dass es völlig unproblematisch ist, alleine in Israel unterwegs zu sein. Gut, ein Handy ist von Vorteil. Mit Egged Bussen und der Israel Railway erreicht man fast jeden Punkt in Israel. Und man sieht Orte und Menschen, die im pauschalen Reisebus untergehen.

Ich erinnere mich sehr gut an den zentralen Busbahnhof von Tiberias. Das ist keine wirkliche Schönheit. Aber von hier gehen Busse in alle Richtungen des Landes und man findet sich problemlos zurecht. Ansonsten kann man fragen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Israelis sehr hilfsbereit sind. Unter dem stacheligen Kern steckt eine freundliche Frucht.

GrenzOrte: Azrieli Tower, Tel Aviv

Ein Wahrzeichen von Tel Aviv. Die Azrieli Towers. Schon vom Flugzeug aus nicht zu übersehen. Wenn die Azrieli Towers am Fenster vorbeiziehen, ist man in Tel Aviv. Endgültig. Freudig. Wer schon mal weit oben, in den Towers, war, wird die tolle Aussicht genossen haben. Da ist Tel Aviv auf einmal ganz klein. Eine kleine, grosse Stadt.

Unten fahren nicht nur Busse in alle Richtungen. Da ist auch mein Tel Aviver Lieblingsbahnhof. Der Name ist Tel Aviv Ha Shalom Railway Station. Futuristisch. Modern. Belebt. Manchmal überfüllt. Tel Aviv. Eine grosse Stadt. Besonders hier. Ich denke, Theodor Herzl wäre stolz auf seine Stadt.