Messer und Gefühle

Das Attentat von München macht fassungslos. Ein zweites Attentat dieser Art hat sich in Jerusalem ereignet, wo zwei Palästinenser Israelinnen im Alter um die 80 Jahre niedergestochen und verwundet haben.

Messer sind in Israel, seit vielen Monaten, bevorzugte Mordmittel. Eine ganze Serie von Attentaten dieser Art erschüttert Israel seit langer Zeit. Die Täter wurden entweder überwältigt und/oder „neutralisiert“.

Was wird in Deutschland passieren, wenn der heutige Angriff nur ein Anfang dessen war, was vielleicht bevorsteht ? Wird diese Fiktion den Rechtsextremisten in die Hände spielen ? Die AfD würde eine solche Entwicklung freuen. Besseres Wasser auf ihre Mühlen kann es gar nicht geben. Und eigentlich ist es auch nicht wichtig, ob der Attentäter einen islamistischen Hintergrund hatte. Die politische Rechte in Deutschland wird neues Futter bekommen. Wieder einmal werden Fakten durch ein Gefühl ersetzt. Wieder einmal …

Terroristen mit Liebe begegnen ?

Margot Kässmann. Streitbar. Unbequem, Irgendwie sollte ich diese Frau mögen. Und ich mag sie trotzdem nicht. Zu selbstbezogen, in einer anderen Welt lebend. So kam mir Frau Kässmann immer wieder vor. Und doch geben ihre unbequemen Statements Stoff zum Nachdenken.

„Wir“ sollen den Terroristen also mit Liebe begegnen. Gut, es ist Ostern. Aber ist diese Erkenntnis von Frau Kässmann nicht trotzdem zu kurz gegriffen ? Wollen die Terroristen nicht gerade, und in erster Linie, unseren Hass ? Haben die Terroristen nicht umso mehr gewonnen, ja mehr Hass wir ihnen entgegenbringen?

Mir kommt der kurze Brief von Antoine Leiris in den Sinn. Dieser Mann hat, bei den Anschlägen von Paris, seine Frau, die Mutter des gemeinsamen 17-jährigen Sohnes, verloren. Der Brief ist mit den unglaublichen Worten „Meinen Hass werdet Ihr nicht bekommen“ überschrieben. Woher nimmt dieser Mann seine Stärke, die, in gewissem Sinne, auch eine Kampfansage an die Mörder seiner Frau ist.

Was mich wirklich traurig gemacht hat, sind die Statements in den Kommentarspalten der Zeitungen, zu den Worten von Frau Kässmann. Warum kann da nicht eine reflektierte Form des Schreibens Einzug halten ? Kurze, hingeworfene, aus dem Affekt geborene, Worte. Traurig, gerade für Menschen, die sich für gebildet halten.

„Bildungsfern“ hat, für mich, weniger mit dem Schulabschluss zu tun. „Bildungsfern“ sind für mich Menschen, die eben nicht autodidaktisch lernen wollen oder können. Menschen, die sich weigern, ihr Wissen zu erweitern. Letztlich Menschen, die glauben, ohne eine kognitive Reserve leben zu können. Und solche Menschen finden sich leider (!) in allen Bevölkerungsschichten und Bildungsabschlüssen und Berufen.

Also: Den Terroristen mit Liebe begegnen ? Eine Idee, die erwogen werden sollte.

Paris, Brüssel: Zivilgesellschaft

Paris, Brüssel. Ich weiss, die Liste könnte viel länger sein. Es geht mir aber nicht um eine Vollständigkeit. Es geht mir um ein Phänomen, das Mut macht. Man könnte dieses Phänomen sicherlich auch als Hilflosigkeit deuten. Aber ich möchte das nicht gelten lassen.

Nach Anschlägen ist die Gesellschaft erst einmal wie paralysiert. Dann aber finden die Menschen zusammen. Gemeinsamkeit, gerade in Zeiten der Bedrohung und Trauer, ist ein urmenschliches Gefühl. Menschen finden in der Gemeinschaft Mitgefühl, sie können mit anderen Menschen weinen und sie können auch traurig sein. Sie können trotzig sein und auch gemeinsam singen. Sie können klarmachen, dass Terror eine Gesellschaft niemals spalten darf. Alle Menschen sind im Visier. Im perversen Denken der Attentäter sind wir alle Zielscheiben. Egal, welcher Staatsangehörigkeit, egal welcher Religion.

Diese Zeichen der gemeinsamen Trauer setzen auch einen klaren Gegenpunkt zu Rattenfängern, die versuchen, mit der Angst Stimmung zu machen. Stimmung gegen alle „die anders sind“, weil sie eine andere Hautfarbe oder eine andere Religion haben.

Mit diesen elenden Hetzkampagnen werden, in Wahrheit, die Toten und Verletzten missbraucht. Ihnen wird noch einmal angetan, was ihnen schon angetan wurde.

Da braucht es klare Zeichen der Gegenwehr.

Ich bin optimistisch: die Zivilgesellschaft wird sich nicht instrumentalisieren lassen.

Diesen Sieg werden weder Terroristen, noch Rattenfänger, erleben.

357af92071dd51a92420d78dd1eb2de4v1_max_755x425_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2

paris-206-_v-gseagaleriexl

Ein gutes neues Jahr zum Kotzen

Ich weiss nicht, ob noch Platz in Euren Eimern ist. Bei mir wird es langsam eng. Terror wohin man hört. Brüssel, Berlin, München. Nix mit froher Fete. Ich verschlafe die Chaos Nacht jährlich. Aber dieses Jahr verschlafe ich die Nacht um, so lieber. Terrorwarnungen in Europa, ein kaltblütiges Attentat in Tel Aviv.

Besteht die Gefahr (oder die Chance) dass wir uns an das Hintergrundrauschen der Terrorgefahr gewöhnen ? Oder ist die Gefahr eine Chance ? Israel ohne Hintergrundrauschen ist kein wirkliches Israel. Klar lebt man in Israel lieber ohne Rauschen. Aber es ist nun mal da und wird sich auch nicht so schnell verabschieden.

Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn das Rauschen sich zum Knall verdichtet. München. Hauptbahnhof. Silvester. Zwei Selbstmordattentäter. Und dann ? Ich möchte mir die Szenerie, und die folgenden Schuldzuweisungen, die Folgen der Schuldzuweisungen, die Folgen der Folgen, der Folgen, der Folgen, der Folgen, der Folgen gar nicht vorstellen. Wird der braune AfD Mob Jagd auf gewisse Gruppen in Deutschland machen ? Mit Beifall des erektierenden National(so)zialismus ?

Währet den Anfängen ? „Der war gut“ oder: „Man könnte gar nicht so viel fressen, wie man kotzen könnte.“ Das sagte eins Herr Liebermann (der Max). Und er hat auch heute Recht damit.

Nun, das Hintergrundrauschen, diese hintergründige und generalisierte Phobie wird nicht verschwinden. Nein, diese hintergründige und generalisierte Phobie wird nicht verschwinden. Warum ? Weil die Gesellschaft eine Phobie braucht, um sich abzugrenzen. Um andere Menschen zu Dreck, zu Opfern, zu Juden, zu Schwarzen, zu Behinderten, zu Losern erklären zu können.

Nein zu sagen ist sicherlich ein nettes Trällerchen für eine gute Sache.

Ein anderes Trällerchen fordert gar „Arsch hüh. Zähn auseinander“. Aber bitte nicht das Gebiss vergessen.

Bloss welches Nein, welcher Arsch, welche Zähne ? Und wie viele davon ? Und wie lange.

Ich würde dieses kleine Liedchen als Hymne der Aufständischen Schröders vorschlagen. Das kennt auch der AfD Aktive und selbst der Alt-Nazi, der in Sobibor Häftlinge erschossen hat. Gab ja nix zu essen. Notwehr. Ach, Opa. Wann wird Dich Alzheimer endlich erlösen ?

Ich habe schon zu viele „Aufstände“ schrörderischer Populisten gesehen, um das alles noch ernst zu nehmen.

Wie wäre es mit gelebter Solidarität, mit geschlossenen Reihen, mit Leben, einzeln und frei, aber als Gemeinschaft ?

Dann, ja dann, hätte das Hintergrundrauschen einen Sinn gehabt.

Nein, es gibt keinen Baum. Auch keinen Strick. Noch nicht.

Terror und Hoffnung im Netz

Die fürchterlichen Anschläge von Paris wurden auch mithilfe moderner Medien geplant und ausgeführt. Der Nährboden für islamischen Terrorismus findet sich auf You Tube und anderen sozialen Netzwerken. Hier werden Menschen zum Terror angestachelt. Das Internet ist gerade auch ein Medium junger Menschen. Hier werden Menschen radikalisiert. Die Moscheen des Hasses erledigen den Rest. Die Attentäter haben sich mit Hilfe des Mobilfunkes untereinander abgestimmt. Sonst wären synchrone Attentate nicht möglich gewesen. Aber das sollte uns nicht daran hindern, ebenfalls die virtuelle Welt zu bevölkern. Es lässt sich nichts rückgängig machen. Aber es lassen sich Zeichen der Hoffnung geben.

148EDC007363477F