Bewertungen

Ich finde es erstaunlich, wie unterschiedlich Kliniken bewertet werden. Ich war heute Morgen, zu einer Nachuntersuchung) in einer Klinik, die nicht unbedingt positiv bewertet wird. Mein Eindruck war ein ganz anderer. Ich war mit der Behandlung mehr als zufrieden und auch die Nachsorge ist ganz hervorragend. Gut, ich bin Privatpatient. Aber ich denke nicht, dass der Unterschied alleine dadurch zustande kommt. Vielleicht hängt die Wahrnehmung einer Klinik auch von den Erwartungen ab. Ich weiss, dass keine Klinik der Welt mich wieder gesundmachen wird. Ärzte sind eben keine Götter in Weiss, sondern Menschen, die einem Handwerk nachgehen. Ärzte tun, im Regelfall, das Beste. Aber sie sind nicht in der Lage, Wunder zu vollbringen. Vielleicht liegt es an (un)realistischen Erwartungen wie eine Klinik bewertet wird. Das finde ich ungerecht gegenüber Ärzten, Krankenschwestern und Servicemitarbeitern, die jeden Tag ihren Dienst tun. Trotz der Arbeitsbelastung (in der Regel) freundlich und kompetent. Einen schlechten Tag kann ich gerne akzeptieren. Wer hat schon nur gute Tage ?

Der Tropf und der Tropf

Eigentlich müsste der Herr Tropf heute tropfen. Warum ? Weil der Herr Tropf nun wieder jeden Tag an den Tropf muss. Ich kenne meine Ärztin schon lange. Wenn sie mit einem solchen Gesicht um die Ecke biegt, weiss ich schon, das irgend etwas nicht optimal läuft. Beim heutigen Gesicht war zu erahnen, das von „optimal“ nicht die Rede sein kann. Eher von Katastrophe. Und so war es dann auch. Meine Blutwerte als „schlecht“ zu bezeichnen, wäre sehr optimistisch. Irgendwie sind alle Fortschritte der letzten Wochen eingefallen. Wie ein Kartenhaus. Das sagte besagter Blick aus. Und ich hatte den Blick richtig gedeutet. Wie gerne würde ich falsch liegen. Leider war das, auch heute, nicht der Fall. Ein Blick sagt eben doch mehr als tausend Worte.

Ein Raum der Stille

Welcher Geruch ? Der Geruch nach Krankenhaus. Absolut ätzend. Kaum zu beschreiben. Schwer zu atmen. Die immer gleichen Gänge. Die scheinen in jedem Krankenhaus gleich zu sein. Fast schmerzlich hell. Weiss. Menschen, die hin und her rennen. Und, mitten in diesem Trubel, ein Ort der Stille. Das ist ein Raum, der so heisst. Hier ist es einfach nur ruhig. Ein Ort um nachzudenken. Ein Ort um zu Beten. Ein Ort um eine Kerze anzuzünden. Ein Ort, an dem man das Gehirn anschalten kann. Ein guter Ort.

Pflege ohne Anerkennung

Menschen zu Pflegen gehört sicherlich zu den schwierigsten Aufgaben in unserer Gesellschaft. Und doch erkennt man eine humane Gesellschaft daran wie sie mit Kindern, Alten, und Kranken. Das bedeutet auch, den Pflegenden Anerkennung entgegenzubringen. Durch meine ehrenamtliche Arbeit im Krankenhaus weiss ich, das Anerkennung nicht unbedingt die Währung ist, mit der Pflegende bezahlt werden. Arbeitsplätze werden abgebaut, Dienstpläne immer enger. Pflege wird zur Fliessbandarbeit. Viele Auszubildende kündigen noch während der Ausbildung oder kurz danach. Die jungen Menschen, alle mit guten Willen, haben sich unter Pflege etwas anderes vorgestellt. Zum Beispiel Menschlichkeit. Um Menschen geht es bei der Pflege aber schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich resigniert da auch ein Mensch mit den besten Motiven. Inzwischen werden übrigens Prämien bezahlt, wenn Auszubildende, nach Beendigung der Ausbildung, bei der Stange bleiben. Viele Ärzte, auch das sollte leider gesagt werden, schauen auf die Pflegenden hinunter, als wären es Arbeitstiere. Von Teamarbeit kann keine Rede sein. Wer das schafft, hat meine höchste Anerkennung. Solange unsere Gesellschaft Pflege, Sterben, Tod, überhaupt das Thema Krankheit weiter ignoriert wird sich leider nichts ändern in der Pflege. Die Gesellschaft wird erst dann aufschreiben, wenn der Kollaps im Pflegebereich gekommen ist. Bis dahin werden Pflegende verzweifelt sein und keine Empathie mehr für die Menschen aufbringen können, die von ihrer Hilfe abhängig sind.

Desinfektion ?

Ihr kennt das bestimmt. Fast überall, nicht nur in Krankenhäusern, finden sich Geräte zur Desinfektion. Einfach Hand drunter und fertig.

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So einem Teil bin ich heute schon mal begegnet. Oder besser gesagt: Wieder begegnet. Je genauer ich hinschaue, desto bewusster wird mir, das die Desinfektionsgeräte kaum benutzt werden. Das Bewusstsein ist wohl noch nicht geschärft genug. Wenn es um Infektionen geht herrscht auch nur ein begrenzter Medienhype, während dessen Dauer man bewusster mit dem Thema umgeht. Dann ist das Thema wieder aus dem Bewusstsein verschwunden. Und es ist wirklich mühsam, sich immer wieder die Hände zu desinfizieren. Aber leider ist es mehr als notwendig.

Vielleicht könnte da ein flottes Video helfen ? Das hier stammt vom Shaare Zedek Hospital in Jerusalem.

Qualität im Krankenhaus

Im Krankenhaus war ich als Gast im stationären Hotel eines Krankenhauses 🙂 Nun habe ich einen umfangreichen Fragebogen bekommen, der zur Qualitätssicherung dient. Qualität hält, langsam aber sicher, als Werbeargument Einzug in deutsche Krankenhäuser. Inzwischen müssen auch Krankenhäuser um ihre Patienten werben. Das gilt auch für die Nachbehandlung. Ich bin war sehr zufrieden mit dem stationären Hotel 🙂 Die Benotung wird sehr gut ausfallen.

Eine Woche für das Leben

Der Titel ist missverständlich. Die Woche für das Leben lässt an eine Kampagne gegen die Abtreibung denken. Ein Modethema der Kirchen. Um es gleich zu sagen: Ich bin auch nicht von Abtreibungen begeistert. Schliesslich geht es um das Leben eines Menschen. Aber ich will auch nicht den ersten Stein werfen. Es geht um Notsituationen. Und ich glaube nicht das eine Frau leichtfertig abtreibt. Und schliesslich gehört der Mann genauso in diese Geschichte. Wenn überhaupt von „Schuld“ die Rede sein sollte, dann bitte auf zwei Seiten.

Bei der „Woche für das Leben“ geht es aber eigentlich um das Sterben. Genauer gesagt geht es um die Frage der Sterbehilfe. Was ist erlaubt ? Was ist verboten ? Was ist rechtlich erlaubt und was ich ethisch erlaubt ? Eine politische Diskussion, in die Kirchen sich einmischen. Das ist gut und richtig so. Und es ist längst überflüssig.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, das Menschen weniger Angst vor dem Tod haben, als vielmehr davor, wie das Sterben aussehen wird. Stichwörter in der Diskussion sind immer wieder Apparatemedizin. Lebensverlängerung, Schläuche, die Leben verlängern. Da ist es gut, eine Patientenverfügung formuliert zu haben. Und doch ist dieser Schritt so schwer, weil er an ein Thema erinnert, das nicht einfach ist.

Mir geht es genau so wie vielen anderen. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Der Tod ist für mich ein Übergang in ein anderes Leben. Der Tod ist nicht unbedingt Drohung. Der Tod kann auch Erlösung sein. Besonders dann, wenn das Leben nur noch aus Leiden besteht. Aber ich gebe zu, das meine Position auch ziemlich egoistisch ist. Aber ich denke nicht, das mich, nach meinen Tod, jemand vermissen wird. Was von mir bleiben soll, wird bleiben. Und alles andere weiss alleine G“tt.

Letztlich ist mein Tod, für mich, nur eine Sache zwischen G“tt und mir. Und ich bin gewiss, in eine andere Welt, in eine bessere Welt, zu kommen. Wenn ich dessen nicht gewiss wäre, hätte ich vielleicht viel mehr Angst vor dem Sterben und vor dem Tod.

Was mich immer wieder traurig macht, ist die Tatsache, dass im Krankenhaus der Tod nicht angenommen wird. Da wird viel zu oft zu viel getan, um den Tod hinauszuzögern. Der Tod wird nicht als Lebensphase, sondern als Gegner, ja: als Feind, betrachtet. Eine solche Medizin ist nicht menschlich, sondern schlicht krank und pervertiert.

Nicht zuletzt werden Tod und Sterben auch gesellschaftlich verdrängt. Wer hat, abseits von Krankenhaus und Pflegeheim, schon einen toten Menschen gesehen ? Die Scheu, ja die Verdrängung, ist in gewisser Weise verständlich. Und doch kann der Anblick eines toten Menschen auch Angst nehmen. Ich habe gestorbene Menschen gesehen, deren Gesichtszüge sich entspannt haben. Endlich war „es“ vorbei. „Es“, das waren Schmerzen, Seelenqualen, mangelnde Zuwendung, ein zuwenig an Gespräch und Seelsorge. Unsere Krankenhäuser mögen hochwertige Medizin anbieten. Technische Effizienz. Aber Liebe, im Sinne von Nächstenliebe, oder auch nur Menschlichkeit, bieten Krankenhäuser kaum noch. Nächstenliebe wird nicht bezahlt um Menschenwürde und Hinwendung, das Akzeptieren der Krankheit, die Akzeptanz der Tatsache, das auch ein Sterbender Mensch noch ein Mensch ist, geht es schon lange nicht mehr.

Solche Rituale wie Sterbezimmer, in denen Menschen in aller Ruhe Abschied nehmen können, Rituale wie das Anzünden einer Kerze, damit der Verstorbene den Weg in die andere Welt findet, das Ritual, ein Fenster zu Öffnen, damit die Seele des Verstorbenen das Zimmer verlassen kann, sind immer weniger bekannt. Ich hatte das Glück, so etwas noch erleben zu dürfen. In diesem Falle war der Tod eine Erlösung.

Nach dem Tod ist es wichtig, das die Familienangehörigen nicht alleine bleiben. Wenn Bedarf besteht, gibt es örtliche Hospizvereine und Gesprächskreise. Es gibt auch die Einrichtung des Trauercafès. Dort können Menschen hinkommen, ohne etwas tun zu müssen. Einfach rauskommen aus der Einsamkeit der Trauer. Darum geht es. Wenn Trauer zu einem Rückzug führt, und das auf Dauer, ist Vorsicht geboten.

Es gibt keine „Faustregel“ wie lange Trauer andauern darf und soll. Jeder Mensch ist verschieden und Trauer kann viele Gesichter haben. Da ist es wichtig aufgefangen zu werden, mit den Pflastern auf der Seele, mit der Erinnerung, mit dem Nicht-geklärten, mit dem Gefühl der Schuld, nicht alleine gelassen zu werden.

Ich wünsche mir, das dieser kurze Abriss verschiedener Themen in der Woche für das Leben zur Sprache kommen. Dann kann diese Woche zu einem Baustein werden. Zu einem Baustein, der Angst abbaut, und Gewissheit gibt, im Leben und im Sterben nicht alleine zu sein.