Stirbt das Büdchen ?

Im Ruhrgebiet ist es eine Institution: das Büdchen. Da gibt es Zeitungen, Süssigkeiten, oft auch ein Plausch mit dem Nachbarn. Man kennt sich am Büdchen. Wer ein Stück originales Ruhrgebiet kennenlernen will, muss abseits der beliebten Touristenrouten in die Stadtteile fahren. Vor allem im Essener Norden wird der Mensch fündig werden. Quer durch den Pott. Natürlich sind auch die Nachbarstädte sehenswert.

Mit dem Aufstieg des Online Kiosk „Blendle“ wird es wohl auch im Ruhrpott, aber nicht nur dort, einige alte Kultstätten erwischen. Meine Kultstätte steht, zum Beispiel, in Essen Steele. Da trifft man alte Freunde. Mit `nem Kaffee in der Hand oder `ner Pulle Bier gibt es viel zu erzählen. Auch nach so vielen Jahren. Diese „Funktion“ kann kein digitaler Kiosk erfüllen. Das Internet ist eben nicht sozial. Auch „soziale“ Netzwerke können keine sozialen Kontakte, „von Auge zu Auge“ ersetzen.

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Der Zahn der Zeit ist nicht aufzuhalten. Auch im Bereich der gedruckten Zeitungen nicht. Aber Zeitungen sind eben nur ein Angebot der berühmten Büdchen. Das wiederum gibt Hoffnung. Ich werde jedenfalls „meinem“ Büdchen treu bleiben. Bis „wir“ alle ausgestorben sind. Vermutlich wird es „unser“ Büdchen dann nicht mehr geben. Nu, dann machen wir einen himmlischen Kiosk auf. Mal sehen, welche Zeitungen der liebe G“tt so liest. Es ist eine nette Vorstellung, den Allmächtigen mit `ner Pulle Bier am Büdchen stehen zu sehen.

Melting Pot, trotz (wegen) allem

Wenn ich mir das Gezerre um die Aufnahme von Flüchtlingen ansehe, frage ich mich wie es das Ruhrgebiet, nach dem 2. Weltkrieg, geschafft hat, Millionen von Menschen zu integrieren.

Ich frage mich, wie das Ruhrgebiet es geschafft hat, Millionen Menschen „aus dem Osten“ oder aus südeuropäischen Ländern (Türkei, Griechenland) zu integrieren, nachdem klar geworden ist, dass diese Menschen Deutschland, nach Jahrzehnten schwerer Arbeit, nicht mehr verlassen werden.

Diese Menschen haben sich eine Existenz aufgebaut.

Dabei haben sie ihre Kultur behalten.

Ohne diese Menschen, ohne diese Kultur, ist der „Melting Pot Ruhrgebiet“ überhaupt nicht vorstellbar.

Sicherlich, der Pott ist anders geworden.

Ein Spaziergang durch Duisburg-Marxloh macht diesen Wandel sichtbar.

Ja, es gibt Antisemiten und Extremisten unter den eingewanderten Menschen (besonders) arabischer Herkunft. Diese schrecklichen Erscheinungen gibt es allerdings auch unter „deutschen“. Randgruppen. Diese Extremisten sind mit aller Macht zu bekämpfen. Aber machen wir uns nichts vor: Diese Randgruppen wird es leider (!) immer geben.

Die Tendenzen, ob antisemitisch oder pauschal gegen alles, was „anders ist“, diese Tendenzen, die, viel zu oft, in Gewalt münden, sind, ich schreibe es noch einmal, absolut nicht zu akzeptieren. Diese Tendenzen müssen öffentlich und kontrovers und ohne Tabus diskutiert werden. Wo nötig, muss der Rechtsstaat eingreifen.

Aber trotz diesen ekelhaften Randerscheinungen (eingewanderter Antisemitismus) dürfen Migranten, die teilweise in mehreren Generationen im Ruhrgebiet leben, die im Ruhrgebiet arbeiten und Steuern bezahlen, nicht pauschal verurteilt werden. Das wäre genauso schäbig, wie der eingewanderte Antisemitismus selbst.

Melting Pot.

Das bleibt.