Lo Lahityaeish

Es stimmt. Manchmal ist alles zum Verzweifeln. Rav Nachman von Breslov hat uns allerdings eine Regel mit auf den Weg gegeben: „Lo Lahityaeish“. Die Übersetzung lautet, schlicht und ergreifend: „Nicht verzweifeln“. Verzweiflung bringt nicht weiter. Verzweiflung verstockt die Seele. Rav Nachman hat uns gelehrt das wir immer in Simcha (Freude) sein sollen. Wir sollen nicht verzweifeln. Denn der Moschiach wird kommen. Wenn ich traurig und verzweifelt bin, denke ich an Rabbi Nachman und sein Lied.

Und ich denke an die Breslover in Israel. Die sind immer fröhlich, unglaublich fröhlich. Sie tanzen auf Plätzen und Strassen und versuchen, ein Stück weit, die Botschaft ihres Rebben zu verkünden. Man mag über die Breslover den Kopf schütteln. Aber diese Menschen vermitteln eine gelebte Religiosität. Gelebt mit jeder Faser ihres Körpers. Gelebt in jeder Stunde. Manchmal habe ich, gerade in Deutschland, das Gefühl unsere Religiosität ist unterkühlt und wird eben nicht wirklich gelebt.

Judentum, so lernte ich von meinem verehrten Rav und bei der Lektüre von Rav Samson Rafael Hirsch, ist eine tätige Religion. Eine Religion, die nicht tätig gelebt wird, ist nur ein Schatten ihrer selbst. Ich denke, das gilt für alle Religionen. Die Glaubwürdigkeitskrise der Religion kommt nicht zuletzt daher, dass Religion nicht tätig gelebt wird.

Wann werden wir tanzen ?

Wann werden wir unsere Freude –  über das Geschenk G“ttes Kinder sein zu dürfen –  zum Ausdruck bringen wie die Breslover ?

Gibt es Religion ohne Politik ?

Ich höre oft das man Religion und Politik trennen soll. Dem stimme ich zu. Religion ist die eine Sache. Staatliche Entscheidungen, in einer Demokratie, sind eine andere Sache. Aber kann ich, für mich persönlich, Politik und Religion trennen? Ich glaube nicht. Schon das Bekenntnis zum Religiösen ist eine politische Standortbestimmung. Wenn es dann noch um die religiöse Bedeutung des Staates Israel (für das jüdische Volk) geht, ist die Grenze zwischen Religion und Politik überschritten. Als politischer Mensch äußere ich mich selbstverständlich zu politischen Sachverhalten. Rabbiner Samson Rafael Hirsch hat immer wieder betont das Judentum eine tätige Religion ist. Gelebtes Judentum reicht über die Schul hinaus. Gelebtes Judentum reicht in die Gesellschaft hinein. Ich finde diese Definition von Judentum, es ist eine unter vielen, mehr als ansprechend. Politik und Religion trennen? In meinem Falle lautet die Antwort: „NEIN!“

Licht in der Dunkelheit

das wetter ist zur zeit wirklich nervend. es wird absolut nicht mehr hell. es regnet in stroemen. eigentlich koennte man bei dieser dunkelheit auch im bett blieben.

lesen hilft da wirklich weiter. bei mir. ich schnappe mir die psalmen ausgabe von rabbiner hirsch. der kommentar von rabbiner hirsch ist ueber hundert jahre alt. trotzdem sind die worte wie fuer unsere zeit geschrieben. natuerlich sind die psalmen aktuelle literatur. aber auch die kommentare von rabbiner hirsch sind aktuell. ich finde das einfach unglaublich.

diese literatur hilft gegen graues wetter. so verbringe ich einige stunden des tages im bett. lesend. das bett ist mein lieblings-lese-ort.

Rabbinische Literatur

Wie immer, wenn es mir sehr schlecht geht, brauche ich rabbinische Literatur. G“tt sei Dank hat meine Bibliothek einiges davon zu bieten. Rabbiner Samson Rafael Hirsch, seine Erläuterungen zu den Thora-Abschnitten und zu den Sprüchen der Vater, ist mein absoluter Spitzenreiter in solchen Phasen. Rabbiner Hirsch schreibt so kraftvoll. So positiv. Aber auch so entschlossen. Das Leben geht weiter, wenn wir auf unserem Weg bleiben. Das vermittelt Rabbiner Hirsch. Genau das brauche ich an Tagen wie heute.

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