Licht sein

Es gibt sie noch. Die anregenden, positiv fesselnden, Predigten. Ich hörte heute eine solche Predigt in einer katholischen Kirche. „Licht sein“ war das Thema des Pfarrers. Er fragte sich selbst und seine Zuhörer, wie wir Licht sein könnten. Nun, in tätigem Handeln. In Krankenhäusern, Altenheimen, Kindergärten, in der Arbeit mit Obdachlosen, in Stadtteilzentren. Bei den Schwachen, die am Rande stehen. Bei den Sterbenden, die keine Lobby haben. „Licht sein“ durch tätiges Handeln. Da kommt mir Rabbiner Samson Raphael Hirsch in den Sinn, der immer wieder betonte das Judentum eine tätige Religion ist. Er betonte es nicht nur, er lebte es. Übrigens ist Predigen nicht die grosse Stärke jenes Pfarrers. Da gibt es rhetorisch bestimmt grössere Lichter. Aber jener Pfarrer predigt nicht nur. Er setzt seine Predigten in Handeln um. Ich durfte das mehr als einmal erleben. Auch das Christentum also als tätige Religion. So kommen Religionen zusammen. Ich frage Menschen, die über den Glauben kübelweise Dreck ausschütten, wo sie denn ein Licht sind. Ganz konkret. Fast immer bleibt die Frage ohne Antwort. Berechtigte Kritik ist das eine. Eigenes Handeln, für andere, im Geiste der Nächstenliebe, ist etwas ganz anderes. Ich bin nur ein kleines Licht. Doch dieses Licht leuchtet durch die Hilfe G“ttes. Es erinnert mich daran, das ich nicht für mich alleine lebe. Licht sein. Nicht nur am Sonntag.

Personalisierung

Geht es uns nicht oft so, dass wir uns fragen, was die Schriften für eine Botschaft haben? Wurde das nicht vor Jahrtausenden niedergeschrieben? Was geht uns das noch an?

Das Judentum sagt uns, das wir gefragt sind. Wenn wir Pessach feiern, wenn wir beim Seder sitzen, so lernte ich im Schiur, sind wir diejenige Generation, welche aus Ägypten auszieht. Heute sieht Ägypten anders aus. Wir haben unser eigenes Ägypten in unseren Herzen.

Deshalb spricht der Pessach Seder jeden von uns an. In dieser Nacht, die sich von allen anderen Nächsten unterscheidet, ziehen wir aus unserem, ganz eigenen, Ägypten aus.

So wenig wie Moses, mit seinem Volk, alleine war, sind wir mit unserem Auszug alleine. Ein Volk ist mit uns. Haschem ist mit uns. Am Tage in einer Wolke, nachts in einer Feuersäule.

Wieso sollten wir uns fürchten?

Vom Wert der Nahrung

Es macht mich, nicht nur vor Weihnachten, nachdenklich, mit welcher Unvernunft in Deutschland mit Nahrungsmitteln umgegangen werden. Da zählt nicht mehr das Produkt aus Gottes Garten, da zählt nicht mehr das Brot, die Kartoffel, der Reis. Wichtig ist das Lebensmittel preiswert und immer zu haben sind. Was auf der Strecke bleibt, ist die Ehrfurcht und die Dankbarkeit dafür, dass Gottes Liebe uns nicht hungern lässt. Hier ist die Rede von stofflicher Nahrung für den Magen. Ob wir spirituell, im Intellekt, hungern, und wie wir diese Art von Hunger stillen können, ist nicht Thema dieses Beitrages.

Das Ergebnis dieser Jagd, nach billigen Lebensmittel, ist nicht nur Dummheit im Herzen. Das Ergebnis ist auch die Nichtachtung der Dinge, die wir essen. Sind die weitverbreiteten Herz/Kreislauferkrankungen ein Zufall? Ist die verbreitete Fettleibigkeit ein Zufall? Hat das wirklich gar nichts damit zu tun, dass wir für unsere Lebensmittel nicht mehr dankbar sind und das wir Gott nicht mehr für unser Essen loben? Wo werden noch Tischgebete gesprochen? Wo wird das Essen mit Segenssprüchen (Brachot) geheiligt?

Wir heiligen unser Essen nicht. Wir werfen unser Essen weg. In Massen. Tonnenweise. Dafür hungern Menschen in anderen Ländern. Aber auch in unserem Land gibt es Menschen, die hungern. Wie kann Gott das zulassen? Gibt es eine Erklärung?

Vielleicht hofft Gott auf die Einsicht seiner Geschöpfe?

Was können wir, ganz konkret, tun?

Ich denke wir können Essen wirklich geniessen. Es geht nicht um herunterschlingen. Ärzte sagen das viele Menschen in den Industrieländern vergessen haben zu kauen. Langsam zu essen. Durch die immer gleiche Weichheit der Industrieprodukte (Essen muss schliesslich bequem sein – oder?) haben wohl viele Menschen vergessen das Lebensmittel auch hart sein dürfen. Wozu hat uns Gott mit Zähnen versorgt?

Was wir noch tun können: Ein Gebet sprechen. Vor dem Essen oder nach dem Essen. Einen Segensspruch sprechen. Man glaubt gar nicht, wie gut das tut. Man glaubt gar nicht, wie genussvoll essen werden kann.

Tischgebete und Segenssprüche sind Nahrung für die Seele. Sie geben dem Essen als Vorgang einen anderen Wert. Essen, die Nahrungsmittel, werden mit jedem Segensspruch wertvoller für den Geist. Jede Mahlzeit als Ganzes wird durch jedes Tischgebet zu einer Mahlzeit mit Gott.

Gibt es etwas Schöneres?

„Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“

Konkretes Handeln zur Rettung von Menschen ist gefragt. Immer wieder neu. Hilfe für Menschen in Not ist nicht „nur“ eine Mitzwa, zu der wir angehalten sind, sondern es ist auch eine moralische Pflicht unter Menschen. Nicht im Scheine des hellen Lichtes erkennt man seine Freunde. Man erkennt in den Tiefen der Not, der Verzweiflung, der Hilfsbedürftigkeit, wer ein Freund ist und wer sich nur als solcher bezeichnet. Das Erkennen, um nicht zu sagen das Erwachen, in der Frage wie viele Freunde der Mensch wirklich hat ist manchmal schmerzhaft. Aber neben der Schmerzhaftigkeit ist da auch das Wissen um die wirklichen Freunde und die Dankbarkeit dafür.

Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.

So steht es im Talmud geschrieben. So lautet das Motto des MAGEN DAVID ADOM.

Grob gesagt ist der MAGEN DAVID ADOM das israelische Rote Kreuz.

Wer schon einmal in Israel war, hat vielleicht die (ziemlich laute) Sirene eines Rettungswagens des MAGEN DAVID ADOM gehört. Das war auch mein erster „Kontakt“ mit dieser Organisation.

Bei meinem Israel Urlaub im Jahre 2001 hat mir der schnelle Einsatz des MAGEN DAVID ADOM das Leben gerettet. Am Morgen dieses 16. Mai 2001, es war mein Geburtstag, ging es mir schon morgens nicht gut. Ich war mit meiner Mutter in Israel. Wir waren in Tel Aviv. Irgendwann nachmittags wurde mir plötzlich sehr schlecht. Ich setze mich auf eine Bank und beim Aufstehen brach ich zusammen. Ein starker Passant, es war ein Soldat, hat mich, gemeinsam mit meiner Mutter, aufgefangen. Sonst wäre ich auf dem Boden gelandet.

Es kamen schnell Menschen zusammen und jemand hat den MAGEN DAVID ADOM gerufen. Der Rettungswagen war sehr schnell vor Ort. Nach der ersten Untersuchung war klar das der, ziemlich massive, Schwächeanfall der Wirkung von Medikamenten, verbunden mit Herzrhythmusstörungen, geschuldet war. Schnell wurde ich ins Ichilov Hospital gebracht. Nach einer eingehenden Untersuchung stellte sich heraus das die schnelle Hilfe durch den MAGEN DAVID ADOM mir das Leben gerettet hatte. Die Herzrhythmusstörungen wurden fachmännisch behandelt. Die Leukämiewerte waren stark gestiegen. Es ist alles zusammengekommen.

Ich bin den Lebensrettern vom MAGEN DAVID ADOM und vom Ichilov Hospital bis heute dankbar für die schnelle und grosszügige Hilfe.

Mit Hilfe G“ttes, darf ich mich heute an meine Leserinnen und Leser mit der Bitte wenden, den MAGEN DAVID ADOM zu unterstützen. Jede einzelne Spende rettet das Leben von Menschen in Israel.

 Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.

Ich freue mich sehr das Betty Zinvirt die Aufgabe der MDA-Botschafterin in Deutschland übernommen hat. Wer, mit Hilfe G“ttes, das Privileg hat Betty Zinvirt persönlich kennen zu dürfen, stimmt mir sicherlich zu das es keine bessere Botschafterin für diese Menschen rettende Organisation geben kann.

Ich danke allen meinen Leserinnen und Leser für die Aufmerksamkeit und für ihre tatkräftige Unterstützung.

Vom Wert des Essens

Das EHEC-Virus macht mich etwas ratlos. Nach BSE und Schweinegrippe nun also EHEC. Mir stellt sich die Frage, was man eigentlich noch essen darf. Gibt es eigentlich noch unschuldigen Genuss? Oder ist Genuss nicht mehr unschuldig?

Es stellt sich, für mich, die Frage, wie wir grundsätzlich mit Lebensmitteln umgehen. Haben wir den nötigen Respekt vor Lebensmitteln? Oder verweigern wir diesen Respekt?

Wir haben vergessen das Nahrung nicht selbstverständlich ist. Wir sollen G“tt für die Nahrung danken. Nichts ist selbstverständlich. Die entsprechenden Brachot (Segenssprüche) über die Lebens(!)mittel sind so aktuell wie das Tischgebet der christlichen und jüdischen Tradition. Auch  wenn man für diese Erkenntnis eher verwirrt angeschaut wird. Ist es noch modern zu danken? In einer Zeit die beschlossen hat das G“tt nicht mehr existiert?

Es ist schon interessant zu sehen das im Zusammenhang mit dem EHEC-Virus an erster Stelle über die finanziellen Schäden berichtet wird. Die Frage, ob unsere Landwirtschaft ihren Namen noch verdient, die Frage wie mit Lebensmitteln, mit Tieren, umgegangen wird hat kaum Platz in der Diskussion.

Ein Gegenmittel für die EHEC Erkrankten zu finden ist wichtig. Wenn die Diskussion nach dem Ende von EHEC beendet wird, steht die nächste Seuche vor der Türe.

Eine grundsätzliche Debatte über den Wert von Lebensmitteln, von Nahrung, sollte jetzt geführt werden.

Seitdem ich G“tt für das Essen danke, auch vor jeder noch so kleinen Speise, hat sich meine Einstellung zum Essen geändert. Mein Herz läuft über vor Dankbarkeit für jedes einzelne Stück Brot. Das macht Essen zu einer spirituellen Erfüllung.