Gedanken zu den Ereignissen in Düsseldorf

Und wieder einmal ein physisch kranker Einzeltäter. Diesmal am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Diesmal die Linie S 28. Danach das Gleis 13 des Düsseldorfer Hauptbahnhofes. Ein „kranker Mann“ mit einer Axt. Die Axt schlägt auf wehrlose Menschen ein. Irgendwie kennen wir das schon aus der islamistischen Szene.

Ich kenne die S 28 und das Gleis 13 am Düsseldorfer Hauptbahnhof sehr gut. Ich fahre sehr oft mit der Regiobahn. Saubere, sehr pünktliche Bahnen. Und bisher auch sichere Bahnen. Zumindest der letztere scheint jetzt vorbei zu sein. Auch wenn es sich um einen physisch „kranken Mann“ handelt, bleiben die Bilder im Kopf.

Ja, auch hätte zu diesem Zeitpunkt in der S 28 sitzen können. Noch zwei Stunden vorher war ich auf dieser Strecke unterwegs. Doch diese persönliche Betroffenheit ist alleine mein Problem.

Was nicht mein Problem ist: mit Taten wie diesen, mit der „Entschuldigung“, der Mann sei ja „physisch krank“ gewesen, wird versucht, eine Entlastung oder gar Entschuldigung für solche Verbrecher zu suchen. Nein, es sind keine „verrückten Einzeltäter“, es sind Verbrecher, die eine harte Strafe verdient haben. Punkt.

Ich denke, dies schreiben zu dürfen, denn ich habe selbst Angstzustände und eine Depression. Und Millionen anderer Menschen mit mir. Und genau das macht mich so wütend. Nur, weil ich physisch krank bin, will ich mit solchen Individuen nicht in einen Topf geworfen werden. Mit Fällen wie diesen, mit Verbrechern wie (auch) dem Mann in Düsseldorf, werden alle Menschen, die unter physischen Erkrankungen leiden, miterkannt. Viele Menschen, die unter physischen Erkrankungen leiden, sind ohnehin mit einer dünneren „Schutzschicht“ gegenüber Vorurteilen, abwertenden Geste, abwertenden Worten, ausgestattet.

Umso heftiger Treffen treffen solche Menschen, und ich gehöre auch zu diesen Menschen, Berichterstattungen wie die gegenwärtige, in denen als Erklärung für die Tat am Düsseldorfer Hauptbahnhof eben diese Erkrankungen angeführt werden.

Nochmal: Der Täter ist ein (wenn auch gestörter) Verbrecher. Es gibt für die Taten am Düsseldorfer Hauptbahnhof keine Entschuldigung. Erst recht gibt es keine Entschuldigung, die aus den Krankheitsbildern des Täters konstruiert werden. Krankheit, egal ob physisch oder nicht, kann Verbrechen nicht entschuldigen. Vielleicht dienen Krankheitsbilder als Erklärung. Krankheitsbilder können aber keine Verbrechen entschuldigen.

Es ist natürlich, in unsere wahnsinnig schnellen, Medienwelt „wichtig“ möglichst schnelle Meldungen zu produzieren. Ob diese Meldungen stimmen oder nicht, ist da zweitrangig. Ich glaube nicht, dass unsere Medien bewusst Unwahrheiten produzieren. Aber es geht nicht darum, Meldungen zu überprüfen, bevor diese in die Welt gesetzt werden. Schnelligkeit geht eben vor Recherche. Und die Konsumenten machen freudig mit. Vielleicht auch, ohne die Folgen dieses Tempos zu bedenken.

Was mir fehlt, ist ein Medienecho für die wirklich Betroffenen: auch wenn die Opfer nur „leicht verletzt“ sind, wird ihr Leben nie mehr so sein, wie vorher. Auch darüber könnte berichtet werden. Aber dieser Aspekt ist wohl nicht gut zu verkaufen. Dieser Aspekt ist nicht spektakulär genug. In welcher (Medien) Welt leben wir ? Und wollen wir diese Welt wirklich ?

Bündnisfall

Nun ist der Krieg als in Europa angekommen. Genau genommen der Bündnisfall. Erstmals in der Geschichte der Europäischen Union wird dieser Fall ausgerufen. Frankreich bittet die anderen EU Länder und Beistand im Kampf gegen den islamistischen Terror.

Diese Bitte ist zu verstehen. Europa muss dieser Bitte nachkommen. Und doch bleibt da ein bitterer Beigeschmack. Europa wird gefestigt, rückt zusammen. Auf er anderen Seite ist die brutale Wirklichkeit des Krieges in Europa angekommen. Ein Beigeschmack des Scheiterns bleibt.

Ist nicht genau das die Absicht der ISIS Mörder gewesen ? Den Terror, den Krieg, nach Europa zu bringen ? Was passiert, wenn der ISIS in einem anderen europäischen Land zuschlägt ?

Seit den Anschlägen von Paris leben wir in einem anderen Europa. Was vorher unter der Oberfläche, sozusagen nicht direkt sichtbar, war, ist jetzt an die Oberfläche getreten.

An die Oberfläche werden auch Stereotype gegenüber Ausländern, besonders gegenüber Asylbewerbern. Da ist auch Mama Merkel machtlos. Vor allem weil die Forderungen und Parolen gegen Asylbewerber aus den eigenen Reihen kommt. In diesem Klima ist es kein Wunder, das die AfD auf dem dritten Platz der Wählergunst liegt. Nein, ich habe keine Angst um die deutsche Demokratie. Was jetzt an die Oberfläche wandert, war vorher nicht sichtbar. Wenigstens das ist eine gute Entwicklung.

Aber eine Unsicherheit bleibt. Durch die pausenlose Berichterstattung wird, teilweise unabsichtlich, ein Klima der Angst, aber auch der Agression, geschürt. Auch Dauerberieselung erzeugt Gefühle. Die pausenlosen Castings unserer spitzen Politiker macht die Sache nur schlimmer.

Nun ist der Krieg also in Europa. Es werden unruhige Zeiten werden. Entweder wird Europa, in der Bedrohung, zusammenwachsen, oder es wird, unter der Bedrohung, zerbrechen.

Ein Zusammenbruch ist keine Option. Dann wäre Europa am gleichen Punkt angekommen, wie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Und die Mörder der ISIS hätten einen Erfolg erzielt, der die Entwicklung des Terrors beschleunigen würde. Beschleunigen bis zur Überdrehung.

Ich denke in diesen Tagen oft an ein Buch. „Kampf der Kulturen“ heisst dieses Buch. Es stammt von Samuel Huntington. Ich habe, nach der Lektüre, gedacht das es sich wohl eher um einen Krieg der Kulturen handelt. Ich machte den „Fehler“ das laut zu sagen. Unter anderem in  der SPD. Das Ergebnis war niederschmetternd. Ich wurde wie ein Aussätziger behandelt, man versuchte mich mundtot zu machen. Heute sagen mir einige Menschen, die mich früher bekämpft haben, das ich schon damals recht hatte.

Nein, es geht mir nicht darum, Recht gehabt zu haben. Aus diesem Stadium bin ich längst heraus gewachsen. In meinem Status ist es nicht mehr wichtig Recht zu behalten. Der aktiven Politik bin ich schon entwachsen.

Es geht darum, das mit mehr Einsicht in die bitteren Notwendigkeiten politischen Handelns, vieles hätte verhindert werden können. Das ist eine bittere Erkenntnis.

Nun also hat uns fehlende Einsicht in den aktiven Krieg geführt.

Gnade uns Gott.

Kippt die CDU ?

Wolfgang Schäuble ist sicherlich kein Freund scharfer Worte, was die Bundeskanzlerin angeht. Sicherlich gab es Auseinandersetzungen. Das ist nichts Ehrenrühriges. Wenn Wolfgang Schäuble nun, in deutlichen Worten, vor einem Schaden für die CDU, ausgelöst durch die Flüchtlingspolitik von Mama Merkel, warnt, ist das ein Vorgang, der Beachtung verdient.

Sehr selten bin ich einer Meinung mit Mama Merkel. Ihr „Wir schaffen das !“, im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Flüchtlings“debatte“, ist eine dieser seltenen Zustimmungen. Wir schaffen das. Wenn wir es wollen. Scheinbar wird die Zahl der Willigen aber immer kleiner und nimmt selbst in Reihen der CDU ab.

Auf lokaler Ebene kann ich das sogar verstehen. Egal, welches Thema diskutiert werden soll – das Thema rückt in den Hintergrund. Alles wird von der Flüchtlingsfrage überlagert. Irgendwie tun mir die christdemokratischen Kommunalpolitiker leid. Die leisten eine gute Arbeit, stecken Stunden über Stunden in ihr Ehrenamt, oft genug über die körperliche Belastungsprobe hinaus. Für diese Arbeit werden die Politiker dann noch beschimpft. Man könnte meinen, bald müssten auch noch Kommunalpolitiker von der Polizei bewacht werden. Nach dem feigen Anschlag auf Henriette Reker ist das leider kein Gedanke, der sehr abwegig ist.

Schaffen wir das vor Ort ? Oder hat Wolfgang Schäuble Recht mit seiner Warnung ?

Ein Grund zur Freude wäre eine Schwächung der CDU bestimmt nicht.

Dazu ist die Situation zu ernst.

Ein Grenzzaun für Herrn Wendt

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, ein gewisser Herr Wendt, möchte Deutschland einzäunen. Ich schlage vor, Herrn Wendt mit einem Zaun zu umgeben. Meinetwegen mit Stacheldraht und Schiessbefehl. Darüber hinaus finde ich es schäbig, wie eine Polizei“gewerkschaft“ sich in Politik einmischt. Die Polizei ist eine Bundesbehörde. Sie hat Politik auszuführen. Sie hat nicht das Recht, sich in Politik einzumischen. Sicherlich, jede/r hat ein Recht auf die eigene Meinung. Aber es ist ein riesiger Unterschied, ob man seine Meinung als Privatperson oder als Amtsträger äussert. Für eine Fehlhandlung gibt es im Beamtenrecht das Werkzeug des Disziplinarrechtes. Auch Herr Wendt ist nicht „unantastbar“.

Positiv finde ich die mehrheitliche Ablehnung im Netz. Hier ist ein aktueller Ausschnitt aus Twitter:

f2441df45c

Hilflosigkeit

Es sind Tatsachen, die noch vor wenigen Wochen undenkbar waren. Deutschland unterbindet den Zugverkehr aus Österreich. An den deutschen Grenzen finden wieder Grenzkontrollen statt.

Auf der anderen Seite gibt es unendlich viel Hilfsbereitschaft und Willkommenskultur aus weiten Teilen der Bevölkerung. Auch die Berichte aus Dortmund sind überwältigend.

Den Zugverkehr zu unterbinden, Grenzkontrollen einzuführen, das hat Schlagzeilencharakter und findet bei der braunen Brühe und den emotional, aber nicht sachlich, denkenden Schichten der deutschen Bevölkerung Zuspruch. Dass die Flüchtlinge in anderen Staaten, zum Beispiel in Ungarn, noch schlimmer behandelt werden, stützt eher die These des Schlagzeilencharakters.

Es geht letztlich um die Frage, wer tatsächlich politisch verfolgt ist. Für politisch Verfolgte hat das Asylrecht weiterhin und ohne Einschränkung zu gelten.

Statt Phrasen zu dreschen, ist eine sachliche (!) Diskussion über die Frage notwendig, warum so viele Asylsuchende nach Europa, darunter auch (!) nach Deutschland kommen.

Es ist an der Zeit, die Flüchtlingskrise nicht in Europa, sondern in den Herkunftsländern der Flüchtlinge selbst, anzugehen. Es darf nicht darum gehen, Flüchtlinge zu bekämpfen. Es muss darum gehen. Fluchtgründe zu bekämpfen.

Einer der Fluchtgründe ist auch die Armut in den Herkunftsländern. Eine Armut übrigens, an der Deutschland (Europa, die Industriestaaten) mitschuldig sind. Hat schon einmal jemand darüber nachgedacht, warum zu es zu skandalösen Preisen Kleidung bei Primark gibt ? Die Sahne zu löffeln, ohne die Sahne zu bezahlen, ist unwürdig.

Es sollte bei der gegenwärtigen Debatte weniger um Emotionen und Hetzparolen gehen, sondern darum, die Gründe des Flüchtlingsstromes zu bekämpfen. Dumme Parolen kommen zwar gut an. Aber sie werden nichts ändern.

Wenn wir alle bei unserer kurzsichtigen und verlogenen Wirtschaftsweise bleiben, die auch vor der Zusammenarbeit mit Diktatoren nicht halt macht, dürfen wir uns über Flüchtlinge, die zu uns kommen, nicht beschweren. Das ist unredlich und verlogen.

Wenn wir die Klimakrise nicht endlich entschlossen angehen, werden Flüchtlingsströme nach Europa kommen, die wir uns in den wildesten Träumen nicht vorstellen können. In den Albträumen übrigens auch nicht.

Beschränkungen des Bahnverkehrs und Grenzkontrollen werden keine Hoffnungslosigkeit, keine Diktatur beseitigen. Es handelt sich um ein Zeichen der Hilflosigkeit.

Schaut Euch mal dieses Video aus dem Jahre 2009 (!) an.

Das muss nicht kommentiert werden.

Bilder … (?)

Es sind Bilder, die Menschen bewegen. Es sind Bilder, die in Erinnerung bleiben. So war das in der Griechenland Krise, als dieses Bild um die Welt ging.

download

Und so ist das in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise (?), die mit diesem Bild, auf immer und ewig (?), in Verbindung gebracht werden wird.

toter-fluechtlingsjunge-bodrum

Es ist ein Bild des Grauens. Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Bild posten soll. 

Aber es nützt nichts. Es ist zynisch, die gegenwärtige Tragödie nicht als das zu bezeichnen, was sie ist: Menschenverachtend. 

„Menschenverachtend“:  Ein hilfloses Wort angesichts der Wucht des Bildes.

Menschenverachtend gemacht durch Schlepper, denen das Handwerk gelegt werden muss, aber menschenverachtend gemacht auch durch unsere (!) Politik, die lieber über Quoten spricht, als Menschen in Not zu helfen. Menschenverachtend gemacht durch rechte Idioten, die meinen, durch Gewalt Stimmung (und Stimmen) machen zu können.

Entweder die Politik (und damit wir alle) werden eine humane Lösung für die gegenwärtige Tragödie finden. Oder die Ereignisse werden die Politik (und damit uns alle) überrollen.

Was wir gegenwärtig erleben, ist nur ein leises Vorspiel dessen, was kommen wird. Der Klimawandel wird Flüchtlingszahlen verursachen, gegenüber denen die Zahlen heutiger Tage, ein laues Lüftlein in einer Sommernacht sein werden.

(Übrigens steckt hinter jeder Zahl ein Schicksal.)

Die Sache mit den Klimaflüchtlingen ist nicht neu. Wer das Buch „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“ aus dem Jahre 2008 (!) gelesen hat, anstatt am Stammtisch Unsinn zu reden, dem ist dieses Problem, dem sind diese menschlichen Schicksale, nicht neu und auch nicht egal.

Das Buch von Harald Welzer weisst übrigens auf eine Tatsache hin, die in der gegenwärtigen Diskussion kaum Erwähnung findet: Fluchtgründe entstehen nicht im lauen Lüftchen einer Oase. Fluchtgründe werden, übrigens völlig bewusst, in einer Welt produziert, die sich „Erste Welt“ nennt, obwohl deren Lebensweise das letzte ist. Fluchtgründe werden produziert, um dann gegen Flüchtlinge Stimmung zu machen. Das nenne ich politische (moralische, dummdreiste) Menschenverachtung. Das Wort „Zynismus“ bringt die Tatsachen nur sehr schwach zum Ausdruck.

Das Europa zu einer humanitären Lösung der gegenwärtigen Flüchtlingskrise, der viel zu oft Traumatisierung und Folter zu Grunde liegen, beitragen wird, ist extrem unwahrscheinlich.

Der einzige Lichtblick in der gegenwärtigen Dunkelheit ist die Zivilgesellschaft. Die Zivilgesellschaft, die Flüchtlinge willkommen heisst und ihnen wenigstens das Gefühl gibt, in Sicherheit zu sein. Nein, es ist kein „Aufstand der Anständigen“. Aber wenigstens ein Aufständchen.

Besser als nichts. 

Albtraum Schule

Morgen geht es wieder los. Die Ferien in NRW sind vorbei und die Schule beginnt wieder. Das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht. Für viele Kinder und deren Eltern ist der Gedanke eine Tragödie.

Ich spreche nicht nur vom Mobbing innerhalb der Schulklassen. Gewalt ist da Alltag. Wer anders ist hat schlechte Karten. Viel zu oft wird in der Schule die Karriere der Depression, der Angsterkrankung, der Psychose gelegt.

Schule bedeutet heutzutage nicht in erster Linie lernen. Es geht eher darum im Gleichschritt zu marschieren. Individualisten haben im deutschen Schulsystem keinen guten Stand. Gleichmacherei ist gefragt. Vorbereitung auf das Dasein als Teil der Masse. Kluge köpfe, die einfach anders sind und anders denken, werden aussortiert. Um kritische Intelligenz geht es in der heutigen Schullandschaft ganz gewiss nicht

Im Pisa und Rechtschreibe-Reform-Wahn geht der Einzelne unter. „Übergeordnete Ziele“ werden angestrebt. Und immer mehr Kinder bleiben auf der Strecke. Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer verzweifeln angesichts des Konfliktpotentiales gescheiterter Familien, überforderten Eltern, Gewalterfahrung.

„Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben“. Ein Satz, so weit weg. Die heutigen Schülerinnen und Schülerinnen lernen, um die Existenzberechtigung inkompetenter Institutionen zu rechtfertigen.

Das Ergebnis der deutschen Bildungsmisere ist eine verlorene Generation. Entlassen aus dem Schulknast mit dem Prädikat „Nicht Ausbildungsfähig.“

Ich bin sicherlich kein Freund von Michael Winterhoff. Aber manche seiner Schilderungen treffen die Realität ziemlich genau.

Traurig, aber wahr !