Der Grenzgänger und die Osternacht

Heute Abend wird der Grenzgänger zur Osternacht gehen. Ich gebe zu, das es gerade die Atmosphäre dieser Nacht ist, die den Grenzgänger immer wieder anzieht.

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Eine dunkle Kirche. Nur Kerzen leuchten. Leiser Gesang. Taize. Beginnend, jedes Jahr neu, mit dem Lied „Im Dunkel unserer Nacht“. Damit soll zum Ausdruck kommen, das uns ein Licht fehlt. Eben Jesus. Eben die Lichtquelle in unserem Herzen. Ohne Licht im Herzen ist alles Dunkel.

Irgendwann der krasse Unterschied. Die Orgel jubelt. Die Kirche wird hell. Symbolisch steigt Jesus Christus vom Totenreich ins Reich der Lebenden hinauf. Das Licht ist wieder im Herzen. Der Heiland, er lebt.

Zum Schluss, auch dies traditionell, ein Lied aus Taize. „Bei Gott bin ich geborgen“. Das Licht, das Versprechen.

Eine andere Kirche

Zum Stichwort „Eine andere Kirche“ fällt mir besonders das Stichwort „Taizé“ ein. Hier, in Taizè, spielt es keine Rolle ob ein Mensch katholisch, evangelisch, atheistisch, oder was auch immer, ist. Hier steht, einzig und alleine, die Verkündigung des Wortes im Mittelpunkt. Die Verkündigung des Wortes in kurzen Texten, ohne eine Predigt, begleitet von liturgischen und Medidativen Gesängen.

Einen kleinen Einblick in die Lichterfeier gibt es hier. Ein Hörerlebnis besonderer Art.

Frère Roder, der Vordenker von Taizè, der so ein tragisches Ende nahm, schildert die Idee von Taizè so:

„Jene Eingebung hat mich seit meiner Jugend wohl nie mehr verlassen: Ein Leben in Gemeinschaft kann ein Zeichen dafür sein, dass Gott Liebe und nur Liebe ist. Allmählich reifte in mir die Überzeugung, dass es darauf ankam, eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen, eine Gemeinschaft von Männern, die entschlossen sind, ihr ganzes Leben zu geben und die versuchen, sich stets zu verstehen und zu versöhnen. Eine Gemeinschaft, in der es im Letzten um die Güte des Herzens und die Einfachheit geht.“

Frère Roger in „Gott kann nur lieben”

Ich denke dem ist nichts hinzuzufügen.

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Taizè Gottesdienst

Immer wieder freue ich mich über Taize Gottesdienste. Diese wunderbaren Gesänge. Die Stille zwischen den Gebeten. Die kurzen Gebetstexte. Es ist kaum zu beschreiben. Wer nicht selbst einen Taize Gottesdienst erlebt hat, kann kaum nachvollziehen, welche Atmosphäre da herrscht. Es gibt Dinge, die man selber erleben muss. Immer und immer wieder. Wiederholung als Geschenk.

Behüte mich, Gott

Behüte mich, Gott. Das ist eines meiner Lieblingslieder aus Taizè. Aber es ist nicht „nur“ ein Lied. Dass Gott mich behütet, ist vielmehr eine Lebenserfahrung. Vielleicht braucht man tiefe und trockene Täler um zu spüren und offen zu werden für die Tatsache von Gott behütet zu sein. Das ist auch so eine Erfahrung. In der guten Phase meines Lebens (die aus heutiger Erfahrung gar nicht gut war) hatte ich nicht das Bedürfnis an Gott zu denken. Erst als die Einschläge, die Krisen, näher kamen, war der Weg zu Gott, in sein Reich, das keineswegs „nur“ ein Himmelreich ist, geebnet. Heute weiss ich, dass Krankheit und Verzweiflung, sozusagen der Zaunpfahl waren, den ich brauchte, um zu sehen. Natürlich wird die Sache mit der Krankheit dadurch nicht unbedingt besser. Aber ich lerne, die Zeichen unter der Oberfläche zu lesen. Und da kommt das behütet sein ganz stark zum Ausdruck. Wenn ich zurückblicke, hat Gott immer seine schützende Hand über mich gehalten. Diese Gewissheit tut gut. Es ist nicht so, das ich alleine bin. Da ist noch jemand, der mich behütet. Die Redewendung „sei behütet“ gewinnt so eine ganz neue, tiefe, Bedeutung. Ja, ich bin behütet. Gott behütet mich auf allen meinen Wegen. Das ist gut zu wissen. Das gibt ein Stück Licht in der Finsternis, die manchmal in mir herrscht. Behüte mich, Gott.

Fürbitten

Vorgestern haben wir, im Team der Gottesdienst Vorbereitung, Fürbitten aus dem letzten Gottesdienst gelesen, unterbrochen durch das Lied „Wait for the Lord“. Ich bin immer wieder erschüttert, welches Leid Menschen auf die Fürbitten-Zettel notieren. Konflikte zwischen den Generationen, Angst um Menschen, Beziehungen, Arbeitsplätze. Bitten um Gebete für verstorbene Menschen. Bitten um den Erhalt unserer lebendigen Umwelt. Bitten um Beistand. Das alles sind ernste Probleme. Aber ich spüre auch das wir eine lebendige Gemeinde vor uns haben. Eine Gemeinde mit Hoffnungen und Nöten. Eine Gemeinde, die ihre Nöte und Hoffnungen vor Gott bringt. Ich glaube da ist beides, Hoffnungen und Nöte, gut aufgehoben. Gott hört uns zu und Gott behütet, beschützt, uns. Das sagen die Fürbitten aus. Ich finde es gut und wichtig das diese Fürbitten formuliert und gebetet werden. Ich finde es wichtig, das keine Fürbitte verloren geht. Menschen haben sich geöffnet, wenn auch anonym, und haben ihre Ängste und Hoffnungen vor Gott gebracht. Vor Gott geht keine dieser Bitten verloren. Da bin ich mir sehr sicher.

Passionsandacht

Heute Abend gab es eine tolle Passionsandacht mit Taizè Liedern. Wer einen Taizè Gottesdienst kennt, weiss das es dort „anders zugeht“ als in einem „normalen“ Gottesdienst. Es werden Lieder in verschiedenen Sprachen gesungen. Die Zeilen wiederholen sich immer wieder.

Zwischen den Liedern gibt es kurze Gedanken, Bibeltexte,  und vor allem Stille. Stille um sich vor Gott darzubringen. Stille, um vor Gott alle Nöte, alle Sorgen, alle Betrübnis, alle Trauer darzubringen. Stille aber auch um die Freude, die Dankbarkeit, die schönen Dinge vor Gott darzubringen. Nach einer Zeit der Stille kommt jeweils das nächste Lied.

Ich liebe solche Gottesdienste. Ganz anders als das „Gewöhnliche“. Eine ganz andere Form von Gottesdienst ohne festgelegte Rollen, auch ohne verschiedene Stufen in der Hierarchie. Bei Taizè Gottesdiensten ist noch wichtiger, als in allen anderen Gottesdiensten, das Gleichheit herrscht, zwischen allen Besuchern. Es gibt kein weniger gut oder „mehr schlecht“. Alle sind gleich. Alle sind Suchende und Betende vor Gott. Alleine darum geht es.

Heute, nach einem nicht einfachen Tag, hat mir dieser „Ausflug nach Taizè“ sehr geholfen. Ich bin mit leichterem Herzen aus der Kirche gekommen.

Taizè hat auch mit ganz viel Licht, mit vielen Kerzen, zu tun. Mehr als sonst im Gottesdienst wird das Licht betont. Das Licht in unserem Herzen, das Licht in unserer Trauer, das Licht in unserer Verbitterung, das Licht in unseren Schmerzen, das Licht in unserer Hoffnungslosigkeit. Von einem treuen Lehrer habe ich den Anstoss bekommen, jede Kerze mit einem ganz persönlichen Licht zu versehen. So kann ich das Licht in jede meiner Sorgen und in jede meiner Traurigkeiten mit hinübernehmen.

Licht für den nächsten Tag. Die Gewissheit, dass dieses Licht nie ausgelöscht werden kann.

Auch der Tod löscht dieses Licht nicht aus.

In der neuen, anderen Welt, im Olam Haba, wird es auch ein Licht geben das uns, das mich, begleitet. Davon bin ich überzeugt. Deswegen habe ich keine Angst vor dem Tod.

Es ist etwas abgedroschen. Aber ich mag den Satz „Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“. Das ist die Erfahrung meines Lebens. Jede schlimme Situation hat sich letztlich in ihr Gegenteil verkehrt. Ich weiss, dass Gottes Hand über mir wacht. Das ist Glaube, aber auch die Erfahrung meines Lebens.